Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Fachstelle Maschinenwesen Mitte

Die Fachstelle Maschinenwesen Mitte (FMM) befindet sich im Dienstgebäude des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Mittellandkanal / Elbe-Seitenkanal am Dienstort Minden. Sie übernimmt als Bündelungsstelle für den gesamten Zuständigkeitsbereich der GDWS - Standort Hannover Ingenieuraufgaben im Bereich der Maschinenbau-, der Elektroenergie-, der Nachrichten- sowie der Schiffbautechnik.
Hierzu gehören die Planung, Ausschreibung, Vergabe, Überwachung und Abrechnung umfangreicher Instandsetzungsarbeiten an den Schifffahrtsanlagen, der Neubau und die Instandsetzung von verwaltungseigenen Wasserfahrzeugen, die Unterhaltung des wsv-eigenen Fernmeldenetzes sowie die Beteiligung an anspruchsvollen Maßnahmen der Neubauämter wie z. B. beim Neubau von Schleusen. Die Fachstelle Maschinenwesen Mitte wird dabei im Auftrag des jeweils zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes bzw. Neubauamtes tätig.

Das durch die FMM zu betreuende Gebiet umfasst die Bundeswasserstraßen Weser, Aller, Leine, Fulda und Werra sowie den Mittellandkanal (mit den Stichkanälen Osnabrück, Linden, Hildesheim, Salzgitter) und den Elbe-Seitenkanal.

Geschichte der FMM

  • 05. Februar 1919; Gründung des „Maschinenbauamtes Minden“ mit Bauhof Minden

Die wesentlichen Aufgaben waren der Aufbau und Betrieb eines Bauhofes in Minden mit allen dazugehörigen Anlagen sowie die Erledigung aller der, bei den Wasserbauämtern der Wasserstraßendirektion Hannover auftretenden, größeren maschinentechnischen Fragen, die Unterhaltung der Betriebsfernsprechanlage und die gesetzliche Überwachung der Dampfanlagen.

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges und im Rahmen des Baugeschehens zur Fertigstellung des Mittellandkanals (östlich von Hannover) ein herausforderndes Aufgabenpaket.

  • 14. November 1924; Umbenennung des Bauhofs zur Staatswerft

Nach der Gründung des Maschinenbauamtes wurde der Bauhof eingerichtet und das Dienstgebäude an der Bauhofstraße 17 gebaut. Die Aufgaben wuchsen durch die Anforderungen der Wasserbauämter in ihrer Vielfalt und Anzahl extrem schnell an. Parallel zu diesen Aufgaben mussten die Fahrzeuge der stark ansteigenden Schlepperflotte unterhalten werden, um das staatliche Schleppmonopol auf den Kanälen sicherzustellen.

Dazu wurde eine Hellinganlage mit 12 Wagen unterhalten, um die Schiffe „auf Land“ zu nehmen und notwendige Reparaturen auszuführen. Weiterhin gab es die unterschiedlichsten Werkstätten für die Unterhaltung der Fahrzeuge und Anlagen: Maschinen- und Motorenschlosserei, Dreherei, Schiffbau, Elektrowerkstatt, Schmiede und Kesselschmiede, Schweißerei, Tischlerei, Malerei, Sattlerei, Sägewerk, Gießerei und natürlich die entsprechenden Bereiche für Arbeitsplanung, Arbeitsvorbereitung und Magazin.

  • 07. März 1939; Umbenennung zum „Wasserstraßen-Maschinenamt Minden“

Die grundsätzliche Zuständigkeit und Verantwortlichkeit des Wasserstraßen-Maschinenamtes (WMA) für maschinenbau-, schiffbau- und elektrotechnische Angelegenheiten wurde explizit mit Erlass vom 25. Oktober 1941 durch den Generalinspektor für Wasser- und Energie – Abteilung Reichswasserstraßen – nochmals festgestellt.

Nach dem 2. Weltkrieg bestanden die Zuständigkeiten unverändert. Bemerkenswert ist, dass zu diesem Zeitpunkt immerhin noch 30 % des produktiven Arbeitspotenzials der Staatswerft für die Unterhaltung des Bundesschleppbetriebes aufgewandt wurde (Dampf-, Diesel- und Gasschlepper sowie sonstige Spezialgeräte). 

  • 18. August 1978; Anpassung der WMA-Kompetenzen im Zuge der Neuordnung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung

Unwirtschaftliche Betriebszweige wurden in den siebziger Jahren ausgegliedert (z.B. das Sägewerk, die Gießerei und die Schmalspurgleisanlage). Für eine gewisse Zeit war das WMA die zentrale Beschaffungsstelle für alle Wasser- und Schifffahrtsämter (WSÄ) der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Mitte (WSD Mitte). Beim WMA wurde die Lohnrechnungsstelle der  WSÄ konzentriert – später jedoch an die WSD Mitte abgegeben. Planungs- und Ausführungsaufgaben der Nachrichtentechnik wurden von der WSD Mitte zum WMA verlagert. Die Staatswerft wandelte sich mit dem Anforderungsprofil der WSÄ. Der verstärkten Instandhaltung von Landanlagen (Schleusen, Wehre, Sicherheitstore, Pumpwerke, etc.) wurde mit der Einrichtung leistungsfähiger Werkstätten für Nachrichtentechnik und Elektrotechnik Rechnung getragen.

Auslöser dieser Umstrukturierungsaktivitäten war u.a. das Gutachten des Bundesrechnungshofes über die Organisation und Wirtschaftlichkeit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Ab 1967 wurden umfangreiche örtliche Erhebungen über alle drei Stufen der Verwaltung (Wasser- und Schifffahrtsämter als Ortsbehörden, Wasser- und Schifffahrtsdirektionen als Mittelbehörden und das Ministerium) durchgeführt. Nach fünf Jahren Bearbeitungszeit (!) wurde das Ergebnis bekannt gegeben und wirkte entsprechend nach.

  • 01. Juli 1994; Abgabe des Bauhofes an das WSA Minden

Seit 1983 hatte die Staatswerft ihr Personal von ca. 190 Handwerkern und Arbeitern auf eine Sollzahl von 39 zu entwickeln. Da der Werft-Charakter immer weiter an Bedeutung verlor, war es konsequent, die Bezeichnung Bauhof zu reaktivieren. Die überörtliche Bedeutung des Bauhofes ging bis auf den Bereich der Nachrichtentechnik, der Schiffsinstandsetzung und der Tauchergruppen nahezu verloren. Nach Änderung der Zuständigkeiten wurde der Bauhof vom WMA an das WSA abgegeben.

  • 24. Mai 1996

Durch den Bau der zweiten Kanalüberführung über die Weser musste das WMA Minden das Dienstgebäude Bauhofstraße 17 aufgeben und zog im Frühjahr 1996 in den Neubau Am Hohen Ufer 3 ein.

  • 31. Dezember 1998; Auflösung des WMA Minden

Ein Ergebnis der WSV-Reform war die Auflösung des WMA Minden als selbstständige Behörde. 

Zum 01.01.1999 wurde die Fachstelle Maschinenwesen Mitte (FMM) beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Minden (Heutige Bezeichnung: Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mittellandkanal / Elbe-Seitenkanal) als Nachfolgeorganisation eingerichtet.

 

Schiffbautechnik

Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter nutzen für die Überwachung und Unterhaltung der Bundeswasserstraßen einen vielfältigen Wasserfahrzeugpark, der vom einfachen Baustoffprahm ohne Eigenantrieb bis hin zum technisch komplexen Spezialfahrzeug reicht.

Die Sachgruppe Schiffbautechnik der FMM übernimmt zentral für die Ämter die folgenden Aufgaben:

  • Entwicklung und Beschaffung neuer Wasserfahrzeuge
  • Grundinstandsetzung oder Umbau bereits vorhandener Wasserfahrzeuge
  • Durchführung von Prüfungen sowie die Erstellung von Gutachten bei Schäden und Aussonderungen

Das Bild zeigt die Prüfung der Pfahlzugkraft eines neu gebauten Motorbootes. Das Boot ist mit dem Seil angebunden und die Kraft wird bei maximaler Motorleistung mit einem Dynamometer gemessen.

Der Wasserfahrzeugbestand innerhalb der GDWS Hannover setzt sich aus folgenden größeren Fahrzeugen zusammen:

12 Schwimmgreifer / Mehrzweckfähren
34 Motorschiffe
8 Schubboote / Schubschlepper
 2  Eisbrecher
94 Prahme mit einer Zuladung von 1 t bis über 100 t
33 Bauhüttenschiffe / Wohnschiffe
  3 Spezialschiffe (Peilschiff, Taucherschiff, Brückenuntersucher)

Nachrichtentechnik

Das Kom-Netz (Kommunikations-Netz, früher Wasserstraßen-Fernmeldenetz [WF-Netz]) der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung dient dem Betrieb ihrer Anlagen, der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf den Wasserstraßen sowie dem Hochwasser- und Eismeldedienst. Diese Infrastruktureinrichtung geht innerhalb der GDWS Hannover schon auf eine fast 100jährige Betriebszeit zurück und wurde in dieser Zeit den bestehenden Anforderungen mehrfach angepasst. Das Kom-Netz wurde am Anfang hauptsächlich zum Telefonieren genutzt.

Die heutigen Dienste, die das Kom-Netz nutzen, sind demgegenüber breiter gefächert:

  • Steuerung, Überwachung und Fernwartung von Anlagen
  • Videobildübertragung für die Fernbedienung von Schleusen
  • Nautischer Informationsfunk (NIF)
  • Automatische Schiffsidentifikation (AIS, Pilotprojekt an der Mittelweser)
  • Wasserstraßen-GeoInformationsSystem (WaGIS)
  • SAP-Anwendungen zur Rechnungsbearbeitung und Personalverwaltung
  • Intranet / Internet

Die Datenübertragung wird zum größten Teil über Lichtwellenleiter (LWL) geführt. Die Bilder zeigen die Herstellung von Spleißverbindungen an LWL-Fasern sowie die Prüfung der resultierenden Leitungsdämpfung.
Vereinzelt sind noch Kupferkabel oder Richtfunkübertragungsstrecken im Einsatz. Sie werden in naher Zukunft abgelöst. Darüber hinaus bearbeitet die Sachgruppe Nachrichtentechnik der FMM Projekte im Bereich des Neubaus und der Ersatzinvestition von Anlagen der Bundeswasserstraße. Beispielhaft zu nennen sind hier Laut- und Wechselsprechanlagen, Kameratechnik, Funktechnik, Brand- und Einbruchmeldeanlagen, Pegelanlagen, BOS-Funkanlagen (BOS: Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, hier Feuerwehr).
Das zukünftige Betätigungsfeld der Sachgruppe Nachrichtentechnik wird schwerpunktmäßig von der Einführung der IP-Kommunikation (IP: Internet-Protokoll) auf der Ebene der Kommunikationsanlagen, dem weiteren Ausbau des LWL-Kabelnetzes zur Schleusenfernsteuerung und der Umstellung von der analogen zur digitalen Funktechnik bestimmt.

Elektrotechnik

Im Bezirk der GDWS Hannover sind zwei Talsperren, 44 Schleusenanlagen, 37 Wehranlagen, ein Schiffshebewerk, 13 Sperr- und Sicherheitstore, 21 Pump- und Schöpfwerke, zwei Leitzentralen und eine Revier- und Betriebszentrale durch die FMM zu betreuen. Die Sachgruppe Elektrotechnik unterstützt und berät die Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter bei Neubau, Instandsetzung und Ersatzinvestition von folgenden Anlagenteilen: 

  •  Trafostationen
  •  Mittelspannungsschaltanlagen
  •  Niederspannungshaupt- und -unterverteilungen
  •  Blitzschutz- und Erdungsanlagen
  •  Beleuchtungsanlagen
  •  Notstromversorgung
  •  Hausinstallation
  •  Energieversorgung von Antrieben über Frequenzumrichter
  •  Zentralsteuerung mit untergeordneten Bedienebenen (SPS)
  •  übergeordnetes Prozessleitsystem
  •  Signalanlagen
  •  Kathodischer Korrosionsschutz

Der zunehmende Einsatz programmierbarer Komponenten in der Anlagentechnik erfordert insbesondere auf diesem Gebiet die Fähigkeit zur Qualitätskontrolle und Prüfung der Leistungserbringung bereits im Rahmen der Erstellung. 

Das Bild links zeigt die Prüfung der programmierten SPS-Baugruppen, die für die Steuerung einer Schleuse vorbereitet wurden. Unter Verwendung von Simulationssoftware werden alle Programmschritte im Labor getestet, um so qualitätsgesicherte Software für den Einbau in die Schleuse zu erarbeiten. Mit der Simulationssoftware wird dazu die reale Schleuse modelliert und die Impulse der SPS werden graphisch dargestellt.

Im Bild rechts sind die Sparbeckenverschlüsse in geschlossener Stellung im Schnittmodell der Schleusenkammer zu sehen. Die Einbauzeit der Steuerungstechnik auf der Baustelle kann so erheblich verkürzt werden, da die Fehlersuche vor Ort nicht notwendig ist.

Maschinenbautechnik

Im Bezirk der GDWS Hannover werden der Mittellandkanal mit seinen Stichkanälen sowie der Elbe-Seiten-Kanal als künstliche Wasserstraßen für die Binnenschifffahrt zur Verfügung gestellt. Zur konstanten Wasserspiegelregulierung ist der Betrieb der Pumpwerke parallel zu den Schleusen notwendig. Insbesondere der Neubau aber auch die Ersatzinvestition sowie die Unterstützung der Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter bei Fehlfunktionen sind Schwerpunktaufgaben der Sachgruppe Maschinenbautechnik der FMM.

Darüber hinaus werden unterschiedlichste Projekte im Zusammenhang mit Maschinenelementen (Getrieben, Antriebe, Verschluss-Systeme, Rohrleitungen, etc.) der wasserbaulichen Anlagen (Schleusen, Wehre, Sicherheitstore) bearbeitet. 

Hervorzuheben ist hier der Aufbau von Schlauchwehren an der Aller - die erste Bundeswasserstraße mit dieser innovativen Technik. Im Bild oben ist das Rohrsystem der Wehrsohle sichtbar. Das Bild unten zeigt das fertiggestellte Schlauchwehr Marklendorf.