Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Bündelungsstelle Telematikdienste

Mit Wirkung vom 1. Dezember 2003 wurde beim WSA Minden die Bündelungsstelle Telematikdienste (TD) eingerichtet. Sie besteht aus den Betriebsstellen Revier- und Betriebszentrale Minden (BZ) und der Leitzentrale Minden (früher "Fernbedienzentrale Schleusen - FBZ").
Die Räumlichkeiten der TD befinden sich im Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mittellandkanal / Elbe-Seitenkanal.
Informationen erhalten Sie an dieser Stelle auch über das elektronische Wasserstraßen-Informationssystem ELWIS.

Revier- und Betriebszentrale Minden

Die Revier- und Betriebszentrale Minden (BZ) gliedert sich in folgende Aufgabenbereiche:

- Zentrale Wasserbewirtschaftung
- Fernsteuerung und Fernüberwachung von Anlagen und
- Nautischer Informationsfunk (NIF) mit der Notfallmeldestelle


Die Zentrale Wasserbewirtschaftung

Der Mittellandkanal (MLK), der Elbe-Seiten-Kanal (ESK) und die Mittelweser sind wichtige Verkehrswege des deutschen und europäischen Binnenwasserstraßennetzes. Der MLK stellt die einzige Wasserstraßenverbindung der Industriegebiete an Rhein und Ruhr mit Weser und Elbe und darüber hinaus mit Berlin und den osteuropäischen Wasserstraßen dar.

Aufgrund der heutigen Ansprüche an die Bundeswasserstraße und die Ressource Wasser sowie steigender Energiekosten und das allgemein wachsende Umweltbewusstsein zwingen dazu, den Wasserverbrauch auf das unumgängliche Maß zu beschränken. Die entstehenden Wasserverluste durch Schleusungen, Versickerungen, Entnahmen und Verdunstungen sowie die Wasserspiegelerhöhungen durch Niederschläge, Einleitung Dritter sowie Einfluss der Hauptwindrichtung (West-Ost-Richtung) im MLK mit seinen Stichkanälen und dem ESK werden auf einer Länge von insgesamt 500 km und 84 Mio. qm Wasser durch ein optimiertes Wasserbewirtschaftungs-Programm ausgeglichen.

Die fest vorgegebenen Fahrrinnentiefen (4 m) und die Durchfahrtshöhen unter den Brücken (5,25 m) lassen nur einen engen Spielraum in der Wasserbewirtschaftung zu. Die beeinflussbare Wasserspiegeldifferenz beträgt z. B. bei der Weststrecke des MLK +/- 5 cm um den Normalwasserstand 50,30 m NN. Durch die Lage des MLK in West-Ost-Richtung entsteht bei starkem Westwind ein Windstau im Kanal, so dass der Wasserstand in Hannover bis zu 40 cm höher als im Westen im Bereich Osnabrück ist.

Über ein Prozessleitsystem mit einem Fernwirkkopf sind u. a. die für die Wasserbewirtschaftung notwendigen Anlagen (15 Pumpwerke mit einer Gesamtleistung von 160 m³/s, 7 Entlastungsanlagen zur Abgabe von Kanalwasser bei starken Niederschlägen in tiefer gelegene Flüsse mit einer Gesamtleistung von 176 m³/s, 14 Schleusen und zz. 33 Pegel) über Knotenstationen angeschlossen.

Die Fernsteuerung und -überwachung von Anlagen

In der BZ werden 13 Sicherheitstore und ein Hochwassersperrtor überwacht und auch gesteuert. Da der MLK und der ESK als künstliche Wasserstraßen nicht dem vorhandenen Gelände folgen, sondern in einer Haltung gleichbleibende Wasserspiegelhöhen haben und daher mal im Gelände in einem Einschnitt und mal auf einem Damm verlaufen, werden am Anfang und Ende einer Dammstrecke Sicherheitstore gebaut. Die Sicherheitstore können im Falle eines Dammbruches oder Undichtigkeiten im Kanalbett gesenkt werden, um ein Auslaufen der Kanalhaltung zu verhindern. Das Hochwassersperrtor Artlenburg wird bei Hochwasser der Elbe geschlossen, um den ESK mit seinen Anlagen und die dortige Elbemarsch von einer Überschwemmung zu schützen. Jedes Sicherheitstor ist binnen kürzester Zeit zentral senkbar. Um dieses zu gewährleisten, werden die Tore in regelmäßigen Abständen wechselweise einmal vor Ort von einem Bediener und zentral von der BZ aus gefahren.

Zur Fernüberwachung sind die sechs Wehre der Mittelweser, ein Wehr und drei Staustufen an der Fulda, ein Wehr an der Leine sowie drei Schöpfwerke angeschlossen.

Die auflaufenden Störungen an den Anlagen werden durch die BZ an die zuständigen Stellen zur Behebung weitergegeben.

Der Nautische Informationsfunk mit der Notfallmeldestelle

Der Austausch von Nachrichten zwischen der Schifffahrt und der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung erfolgt über den Nautischen Informationsfunk (NIF). Die Revier- und Betriebszentrale Minden ist für den NIF im Bereich des Standortes Hannover der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt zuständig, d. h. den Mittellandkanal, die Mittelweser sowie den Elbe-Seitenkanal mit insgesamt ca. 600 km Binnenwasserstraße. Direktionsübergreifend sind zusätzlich die Funkstellen Bevergern, Hemelingen und Rothensee angeschlossen.

Durch den NIF erhalten die Verkehrsteilnehmer Verkehrsinformationen und Weisungen zur Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs. Gleichzeitig werden auch Informationen von Verkehrsteilnehmern entgegengenommen.

Die aktuelle Lagemeldung (Sperrungen, Behinderungen für die Schifffahrt usw.) ist ähnlich aufgebaut, wie der Verkehrsfunk für Autofahrer und wird drei mal täglich, die aktuellen Wasserstände zwei mal täglich, zu festen Sendezeiten ausgestrahlt.

Besondere Ereignisse, z. B. Verkehrsregelungen nach Havarien, werden als Einzelmeldung gesendet.

Die Revier- und Betriebszentrale Minden ist rund um die Uhr das ganze Jahr mit Personal besetzt, damit die Verkehrsteilnehmer jederzeit einen Ansprechpartner haben.

Darum ist hier ebenfalls die Notfallmeldestelle für den Bereich der GDWS - Standort Hannover eingerichtet. Hier werden besondere Vorkommnisse und Gefahrmeldungen an und auf der Bundeswasserstraße entgegengenommen und entsprechend den vorliegenden Alarmplänen und Ruflisten weitergeleitet, um Hilfsmaßnahmen einzuleiten oder Regelungen zu treffen.

Leitzentrale Minden

Die Aufgabe der Leitzentrale Minden ist die Wahrnehmung des Schleusenbetriebsdienstes. Es sind dort folgende zehn Schleusen aus den Amtsbereichen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter Weser und Mittellandkanal / Elbe-Seitenkanal in einer Zentrale angeschlossen.

Dies sind:

die Mittelweserschleusen
- Petershagen
- Schlüsselburg
- Landesbergen
- Drakenburg
- Dörverden (2019)
- Langwedel.

die Mindener Schleusen mit
- der Weserschleuse Minden, dem sog. Nordabstieg vom Mittellandkanal zur Weser
- der Schachtschleuse Minden
- den Schleusen des Verbindungskanals Süd (Obere und Untere Schleuse Minden)

Die Schleuse Langwedel liegt ca. 120 km nördlich von Minden entfernt.

Die Schachtschleuse Minden wird nur noch genutzt, wenn die Weserschleuse Minden aufgrund von Störungen oder Wartungen nicht betriebsbereit ist.

Langfristig ist der Anschluss der Schleusen Hollage und Haste am Stichkanal Osnabrück (SKO) geplant.

Die Zuständigkeit der Bündelungsstelle Telematikdienste erstreckt sich auf die Verkehrslenkung an den Schleusen des SKO und, soweit erforderlich, auf die Schleusenkanäle der Mittelweserschleusen, auf die Wasserbewirtschaftung der mittleren und oberen Haltung des SKO sowie des Verbindungskanals Süd mit dem Industriehafen.

In der Warte der Leitzentrale befinden sich fünf kreisförmig angeordnete Bedienplätze. Der fünfte Bedienplatz ist als Reservebedienplatz eingerichtet, falls einmal ein Bedienplatz ausfällt oder er kann später der möglichen Erweiterung dienen. Ein Schichtleiter kann von seinem Bedienplatz aus zwei Schleusen gleichzeitig bedienen, so dass später parallel in der Warte bis zu acht Schleusen gleichzeitig bedient werden können. In der Vergangenheit war jede Schleuse vor Ort in jeder Schicht mit einem Schichtleiter besetzt.

Das Bedienkonzept verzichtet auf eine starre Zuordnung der Schleusen auf die einzelnen Bedientische, sondern sieht vor, dass jede Schleuse von jedem Bedienplatz fern bedient werden kann. Durch dieses Konzept entstehen in Verbindung mit dem z. T. sehr unterschiedlichen Verkehrsaufkommen an den angeschlossenen Schleusen keine zusätzlichen Wartezeiten für die Schifffahrt.

Die benötigten Informationen für den Schleusenvorgang werden dem Schichtleiter computergestützt angeboten und die dazu benötigten qualitativ hochwertigen Bilder von den fern bedienten Schleusen per Videoüberwachungsanlage übermittelt. Die Videosignale müssen zunächst digitalisiert und dann komprimiert werden, um sie über das Netzwerk übertragen zu können.

Die offizielle Inbetriebnahme der Leitzentrale (damals noch "Fernbedienzentrale Schleusen" - FBZ genannt) erfolgte am 5. Februar 2004 durch den Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, Herrn Dr. Manfred Stolpe, indem der Minister durch einen Knopfdruck die FBZ ihrer Bestimmung übergab. Der Minister hatte dabei die Gelegenheit, mit einem Binnenschiffer in Kontakt zu treten und den ersten Schleusenvorgang mit vorzunehmen.